Frau Peter beim Metal-Konzert

Neulich war Frau Peter bei einem Metal-Konzert. Godsmack spielte. Eine Band, von der sie vor diesem Abend noch nichts gehört hatte. Eine Freundin hatte sie gefragt, ob sie nicht spontan mitkommen wollte, sie hätte noch eine Karte übrig.

Zum Jahreswechsel 2019 hatte sich Frau Peter vorgenommen, dass das ihr Jahr werden würde. Mehr „Ja“ sagen, mehr wagen, mehr unternehmen, aus der Comfort-Zone heraus kommen. Also sagte sie ja zu Godsmack.

Frau Peter hört gern Metal-Musik. Vor allem, wenn sie draußen unterwegs ist. Andere Menschen, bzw. Menschenmassen, können sehr anstrengend für Frau Peter sein. Die Musik hilft ihr, ihre Umgebung auszublenden und gibt ihr die Kraft, die ihr solche Situationen gerne entziehen.

Metal-Konzerte sind immer eine besondere Situation für Frau Peter. Einerseits sind dort viele Menschen, viel Input den sie verarbeiten muss. Gleichzeitig ist es spannend, sich all diese Menschen anzusehen. Und die Atmosphäre ist meist ganz anders, als die Musik erwarten lassen würde.

Bei Godsmack ist das Publikum gemischt. Hauptsächlich Männer, aber auch einige Frauen. Frau Peters Freundin, die sie zum Konzert eingeladen hat, sagt: „Wenn der Sänger etwas hübscher wäre, gäbe es hier noch viel mehr Frauen.“ Bei den Disturbed-Konzerten sei das zum Beispiel so. Frau Peter ist das egal, sie steht zu weit von der Bühne weg und ist zu klein, um sich den Sänger genauer ansehen zu können. Stattdessen guckt sie sich lieber die Männer um sich herum an. Fast alle Altersklassen sind vertreten. Zwischen 18 und 60 ist wohl alles da. Große und kleine, dicke und dünne, Langhaarige, Kurzhaarige, auch Glatzen sind zu sehen, bärtige und welche, denen noch kein Bart wachsen will. Auch sind viele verschiedene Stile vertreten. Vom „typischen Metaler“, über „den Rocker“ bis hin zum „Goth“, alles vertreten. Auch bei den Frauen. Viele Rothaarige Frauen! Frau Peter grübelt. Sich die Haare rot zu färben, scheint ein gängiges Phänomen in der Szene zu sein.

Als die Musik beginnt, ändert sich die Atmosphäre im Saal leicht. Vorher herrschte fast Langeweile, alle warteten darauf, dass das Konzert endlich beginnt. Nun konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die Bühne. Oder die Bar, Bier gehört zum Konzert dazu. Da Frau Peter die Band bisher nicht kennt, lässt sie die Musik zur Untermalung werden und beobachtet weiter die Menschen um sich herum. Die meisten singen mit, wippen mit den Köpfen. Einige schunkeln leicht im Rythmus der Musik. Nur wenige gehen aus sich heraus und tanzen.

Die Musik ist hart, fast agressiv, aber Frau Peter wird immer ruhiger. Wenn sie den Bass in ihrer Brust spürt, geht es ihr gut. „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist, wenn der Boden unter den Füßen bebt.“ denkt sie an das Lied von Herbert Grönemeyer. Den meisten um sie herum scheint es ähnlich zu gehen. Die Männer, die eher finster drein gucken, wirken nun ganz friedlich, ganz entgegen zu dem, was auf der Bühne passiert. Der Sänger schreit sich die Seele und alle Qualen aus dem Leib, das Schlagzeug ist hart und schnell, ebenso wie die Gitarren.

Nur wenige Männer scheinen so aggressiv wie die Musik zu sein. Frau Peter sieht nur zwei, schräg vor sich. Sie sind genervt, weil ein junger Mann vor ihnen ausladend zur Musik tanzt, ihnen und ihrem Bier dabei gefährlich Nahe kommt. Frau Peter überlegt, was sie so agressiv macht. Die Musik? Oder vielmehr, dass der junge Mann vor ihnen tanzt? Seinen Gefühlen Ausdruck verleiht. Während die beiden sich an ihrem Bier festhalten, mit den Köpfen nicken und man nur ahnen kann, was in ihrem Inneren vorgeht und was die Musik in ihnen auslöst.

Nachdem das Konzert vorbei ist, drängen die Menschen zum Ausgang. Man kommt sich unweigerlich näher. Hinter Frau Peter und ihrer Freundin laufen zwei Männer. Sie sieht sie nicht, ihren Stimmen nach zu urteilen sind sie noch jünger, vielleicht Anfang zwanzig. Sie unterhalten sich über einen Freund, der eine Frau kennen gelernt hat. Frau Peter hat den Eindruck, dieser Freund hätte schon länger keinen Sex mehr gehabt, denn die beiden Jungen reden darüber, wie die Frau nur ihre Hand auf sein Bein legen musste, und er quasi sofort kam. „Instant Boner!“ lacht der eine. Frau Peter lacht auch. Wenn man sich diese Horde an Konzertgängern anguckt, zumeist schwarz gekleidet, tätowiert und grimmig dreinblickend, könnte man Angst vor ihnen bekommen. Aber Frau Peter stellt wieder fest, die Leute sind doch eigentlich alle gleich, egal, welche Musik wir hören und wie wir aussehen. Wir sind verletzlich und emotional, wir sehnen uns nach Zuneigung und der Nähe zu anderen, Gleichgesinnten.

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